Heiligabend und das Garagentor


So viel Schnee sind wir Flachlandtiroler ja nun gar nicht gewohnt und obwohl die Menschen im Pott ja durchaus eher praktisch veranlagt sind, läuft eben doch nicht alles planmäßig.

Schon seit einigen Tagen ist das Tor unserer Tiefgarage defekt, es läßt sich nicht mehr per Funksender, sondern nur noch von innen von Hand bedienen. Eigentlich haben wir einen Schneeräumdienst, aber der macht seinen Job leider sehr unregelmäßig, gestern z. B. ist er vorsichthalber erst mal gar nicht aufgetaucht. Da mein Caddy mir vorgestern erklärte „Abgas, Werkstatt!“ haben wir meinen Wagen also noch zum Schrauber unseres Vertrauens gebracht und der beste aller Ehemänner kutschierte mich gestern morgens ins Büro und holte mich nachmittags wieder ab.

An einer leichten Steigung stand schon ein Linienbus quer und die rote Ampel zwang auch uns zum Anhalten. Tja… erstmal den Caddy vor uns angeschoben, dann ging leider auch bei uns nichts mehr. Meine Kraft reichte nicht, also Fahrertausch, Holger mußte Anschieben. Geschafft. An der nächsten Kreuzung schon großes Chaos, also Planänderung, statt der vorgesehen Hauptstraßen ab durch die Schleichwege. Leider ist das Mitdenken ja nicht jedem gegeben… An einer Engstelle fährt Holger rechts ran, um dem Entgegenkommenden Platz zu machen, denn DER muß bergauf. Der Fahrer hat sich auch artig bedankt und Holger fährt wieder an. Korrektur: Will wieder anfahren. Wieder saßen wir fest. Ich also wieder ‚rausgehüpft und geschoben, was das Zeug hält, genauer, bis das Blech nachgab *ups*. Egal, keine Beule hinterlassen, schnell wieder rein ins Auto und ab nach Hause. Moment, noch eben am Rewe anhalten, denn auch wenn wir Morgen noch einkaufen gehen, das Fleisch könnten wir schon abholen und vorbereiten. Auch die Bestelllung meiner Eltern haben wir noch schnell abgeliefert. Sie wohnen zwar nur ca. 1 km entfernt, aber auf dem Berg… Erledigt.

Heute Morgen haben wir dann schön lange geschlafen und während ich noch im Schlafanzug die Spülmaschine ausräumte, ist Holger mit dem Dicken losgeschoben. Dachte ich zumindest. Bei kratzenden Geräuschen von draußen dachte ich, na endlich, der Schneeräumdienst und schaute aus dem Fenster. Die Gestalt, die da in der Tiefgarageneinfahrt den Schneeschieber schwang, hatte allerdings verdächtige Ähnlichkeit mit dem baE… Bis meine Männer zurückkehrten war einige Zeit vergangen, der Nachbar aus dem EG hatte mit dem Räumen angefangen und natürlich hatte mein hilfsbereiter Holger geholfen. Erst danach hatte er Shadow durch den Wald geschubst. Jetzt mußte der Gatte erst noch duschen…

Nun denn, irgendwann hatten wir uns sortiert, kalt war es ja nicht wirklich, also nur einen Fleecepulli übergeschmissen und ab in die Tiefgarage. Ich beziehe Stellung am Toröffner, der Gatte fährt raus. Ich drücke den Schalter für Schließen, flitze unter dem Tor durch und stapfe die Einfahrt hoch. Holger will noch einen Meter vorfahren, damit ich nicht durch den Tiefschnee waten muß… geht nicht. Er rollt zurück und will es mit Anlauf versuchen, rutscht aber dabei auf das (inzwischen wieder geschlossene) Tor zu *uuuhhh*. Also galoppiere ich wieder die Einfahrt runter, schließe die Tür im Tor auf, springe rein und öffne das Tor wieder. Holger rollt zurück bis auf unseren Stellplatz und der neue Plan lautet: Ich stelle mich oben an die Straße und wenn weder Fußgänger noch Autos kommen, winke ich Holger raus. Gesagt, getan. Holger ist raus, ich dackele zurück, schließe das Tor, komme wieder zur Straße: Holger weg.

Die Straße ist bis zu unserem ersten Boxenstop, dem Obstlädchen, einsehbar, aber kein blauer Touran in Sicht… Hm… Meine Handtasche, samt Portemonnaie und Handy ist wo? Genau, auf dem Beifahrersitz. Na ja, statt dumm im Schneegestöber ‚rumzustehen kann ich ja auch lostraben, irgendwo wird Holger mich schon aufgabeln. Beim Obstlädchen angekommen guckt Schröderchen, der Inhaber, mich irritiert an. Ich kläre ihn auf und bitte ihn, Holger zu sagen, daß ich schon mal weiter zum Rewe taper. Rewe ohne Einkaufszettel und Geld ist irgendwie doof, vor allem, weil ich auch einiges für meine Freundin Jule einkaufen sollte. Na ja… Käse… da war was, auf zur Käsetheke. Ich schau mich um und stelle fest, meine Güte, hier ist es ja geradezu beängstigend leer! Sagt das Mädel hinter der Theke „Wir schließen ja auch gleich.“ Ein Blick auf die Uhr… 12:56h *uuuuaaahhhh* Im Galopp alles zusammengesucht (das Licht im Laden war schon auf „Halbmast“ geschaltet) und zur Kasse… ohne Geld, versteht sich. Zum Glück kann ich bei unserem kleinen Rewe auch anschreiben lassen, hatten wir schonmal, aber… ist doch ganz schön peinlich, ausgerechnet am Heiligabend kurz vor Feierabend noch solche Umstände zu verursachen… In dem Moment sehe ich einen blauen Touran auf den Parkplatz einbiegen, der Mann mit dem Geld ist eingetrudelt *ggg*. Liebe Jule, über Weihnachten wirst du leider Marlboro rauchen müssen, denn deine Zigaretten habe ich in dem Tohuwabohu leider vergessen… :-).

Endlich haben wir alles einschließlich uns im Auto verstaut (ok, Brötchen haben wir nicht mehr bekommen), als der Gatte wieder aus dem Auto springt. Ein anderer Kunde kämpft mit durchdrehenden Reifen… rückwärts aus der Parklücke ist auch mit Schieben nicht machbar, also vorwärts rum und die Einfahrt weiter runter. Inzwischen kommt auch das ganze Personal des Rewe nach draußen und marschiert zu den Autos in der Seitenstraße. Markus, unser Metzger, kommt mit einer Schaufel nach draußen, denn auch er kommt in der Seitenstraße nicht weg. Mit vereinten Kräften haben wir dann irgendwie den Kunden aus Düren zum Drehen und auch wieder die Einfahrt hinaufgeschoben gekriegt. Nun zieht die Karawane weiter in die Seitenstraße, Markus wird als nächster verarztet. Schaufeln und schieben ist die Devise und irgendwann rollt auch das letzte Mädel vom Rewe glücklich von dannen. Und wißt ihr was? DAS ist für mich Weihnachten. Zusammenhalten und helfen, wenn es nötig ist.

Jetzt ist es 16:30h, Holger und ich müssen heute nirgends mehr hin, wir werden gleich in aller Ruhe schön zusammen kochen und vielleicht kommen Jule und Marco gleich noch ihre Bestellung abholen und dann, dann kann Weihnachten kommen :-).

 


 

 

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~ von eigenwillig - 24. Dezember 2010.

5 Antworten to “Heiligabend und das Garagentor”

  1. Huhu Sylvia,

    ich habe gerade Tränen gelacht. Danke dafür!! Solltest du die Jule gleich sehen drück sie mal ganz dolle und einen schönen Gruß, ich denk an sie!
    Einen wunderschönen Abend wünschen wir Dir und Holger und bis spätestens Juni.
    Alles Liebe, Anja

  2. Jule steckt leider auf dem Parkplatz am Waldschlößchen fest 😦 und Holger ist gerade mit dem Dicken und den bestellten Einkäufen los zum… rate mal… Schieben :-).

  3. Ein ganz großes Dankeschön an die besten aller Freunde *drück*

  4. Klasse, ich hab herzlich gelacht *glucks* Sehr anschaulich 🙂

    (Mein Caddy steht seit heute abend übrigens bis auf weiteres mitten in unserem Hof. Im Tiefschnee festgefahren… und keine Lust zu buddeln *g*)

  5. Na, wenn er nicht im Weg steht und du nicht fahren mußt, dann steht er da ja gut :-).

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